Viele Wege führen zu mehr Biodiversität

Projekt «Aufleben». Können wirklich alle ihren Beitrag leisten, um die Bio­diversität zu fördern? Ja natürlich! Ob mit oder ohne Garten, mit wenig Zeit oder kleinem Budget, ob als Mieter/in oder Eigentümer/in oder im beruflichen Kontext: Es gibt in jeder Lebenssitua­tion Möglichkeiten zum Handeln. Einige Beispiele.


Diana Marti

06.04.2026, Ornis 2/26

Biodiversität betrifft uns alle – und jede und jeder kann etwas tun, um die Natur vor der Haustür zu fördern. Genau hier setzt die Aufleben-Plattform (www.aufleben-natur.ch) des Gemeinschaftsprojekts «Aufleben – mit mehr Natur» an: Sie zeigt vielfältige Handlungsmöglichkeiten auf und macht Lust, selbst aktiv zu werden. BirdLife Schweiz und die Stiftung Pusch haben das Projekt im letzten Jahr initiiert und stetig weiterentwickelt. Über 80 Partner/innen sind Teil davon und tragen das Projekt in die Schweiz hinaus. 

Doch wie soll das konkret gehen, die Natur im eigenen Umfeld zu fördern, und wie kann die Aufleben-Plattform Sie dabei unterstützen? Ornis hat einige fiktive Anfragen an die Plattform zusammengestellt.

Ideen und Inspiration erhalten


«Seit 16 Jahren bin ich für die Pflege eines Schulhausareals zuständig. Wie schaffe ich den Spagat zwischen gepflegtem Erscheinungsbild, Akzeptanz und Biodiversitätsförderung?», Stefan Billeter, Hauswart

Vielen Dank erst mal, dass Sie beim Unterhalt des Schulhausareals an die Biodiversität denken! Das ist nicht selbstverständlich. Vielen Ihrer Berufskolleg/innen würden wir als erstes eine Weiterbildung zu naturnahem Unterhalt empfehlen – Infos zu den Kurs- und Weiterbildungsangeboten finden sich auf dem Aufleben-Marktplatz (siehe Kasten).

Auf einem Schulareal haben Sie verschiedene Hebel für die Naturförderung: Sie können gezielt mehr Strukturen wie beispielsweise Ast- und Steinhaufen und Wildhecken anlegen, und wo überall möglich auf naturnahe Pflege umstellen. Zum Thema «Naturnahe Pflege» bietet «Aufleben – mit mehr Natur» am 25. August 2026 ein praxisnahes Webinar an. Es ist Teil der sechsteiligen Aufleben-Werkstatt, die auch einzeln besucht werden kann.

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© vm/iStock
Siedlungsraum Nicolasstettler 119
© Nicolas Stettler
Auch auf dem Pausenplatz oder vor dem Haus ist mehr Natur möglich.


Falls Sie Inspirationen benötigen, welche kleinen Lebensräume – sogenannte Trittsteine – Sie rund um das Schulhaus noch ergänzen könnten, empfehlen wir Ihnen den Trittstein-Designer. Dank diesem finden Sie rasch konkrete Ideen und Anleitungen, abgestimmt auf Ihre Flächen.

Mit folgenden einfachen Massnahmen schaffen Sie zudem mehr Akzeptanz für eine naturnahere Schulhaus­umgebung: 

– Mähen Sie einen kleinen Streifen entlang der Wege öfters, so sieht auch eine wildwachsende Blumenwiese stets gepflegt aus.

– Pflanzen Sie gemeinsam mit den Schulklassen einheimische Hecken und Bäume oder erstellen Sie mit den Kindern Ast- und Steinhaufen, Benjeshecken und Ruderalflächen – das vermittelt den Kindern einen direkten Bezug zur Artenvielfalt. 

– Stellen Sie Infotafeln auf und erklären Sie, welche Tierarten auf dem Schulareal spezifisch gefördert werden – zum Beispiel ein Porträt über den Igel neben dem Asthaufen.

– Organisieren Sie Rundgänge durch das Schulareal für Schulklassen, Lehrpersonen, Eltern und lokale Behörden. Sie oder eine spezifische Fachperson erläutern auf diesem Spaziergang die umgesetzten Massnahmen und erzählen Geschichten über die vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. 

– Informieren Sie sich bei den Aufleben-Partner/innen über mögliche Schulhausprojekte.

– Schulen Sie Ihre Mitarbeitenden zum Thema Naturförderung und naturnahe Pflege.

«Als Studentin verbringe ich viel Zeit mit Lernen. Ich treffe mich auch gerne mit meinen Freunden; Geld haben wir wenig zur Verfügung. Was könnte ich beitragen?» Ella, Studentin

Deine Freunde und du könntet euch gemeinsam für die Biodiversität einsetzen, indem ihr euch für einen Natureinsatz anmeldet oder euch bei einem lokalen BirdLife-Naturschutzverein engagiert. Auf dem Aufleben-Marktplatz findet ihr dafür diverse Angebote. Die BirdLife-Sektionen sind unter birdlife.ch/sektionen zu finden.

Handfest könntet ihr auf eurem WG-Balkon starten: Pflanzt einheimische Stauden in eure Balkonkisten, das sind kleine, aber feine Trittsteine. Und setzt eure Stimme auch in der Politik ein! Jede Stimme zählt. Beteiligt euch an Wahlen und Abstimmungen für Natur und Umwelt.

«Ich bin frisch pensioniert. Ich habe plötzlich viel Zeit und verbringe diese gerne in meinem Garten, wo ich auch oft Gäste empfange. Was habe ich konkret für Möglichkeiten rund um mein Haus?» Sibylle Oeschger, Pensionärin

In einem Garten haben Sie fast unendlich viele Möglichkeiten für die Naturförderung. Wichtig ist, dass Sie möglichst viele Kleinstlebensräume, sogenannte Trittsteine, schaffen, auf Gifte im Garten verzichten, Tierfallen entschärfen und Ihren Garten (zumindest stellenweise) naturnah pflegen. Auch ein artenreicher Naturgarten kann gepflegt und «gästekonform» sein und Ihnen eine hohe Aufenthaltsqualität bieten.

Lassen Sie sich vom Trittstein-Designer inspirieren. Sie werden staunen, welche Vielfalt an Möglichkeiten es gibt.  So könnten Sie beispielsweise den Parkplatz entsiegeln, den Velounterstand begrünen, eine unbenutzte Stelle als «Wilde Ecke» ausscheiden, einen Teil der Wiese weniger häufig mähen, einheimische Sträucher pflanzen oder Ihren Sitzplatz mit einer Trockenmauer ergänzen.

Einen grossen Hebel haben Sie bei der Pflanzenwahl. Für die Insekten macht es einen grossen Unterschied, ob Sie eine eingeführte Forsythie oder einen einheimischen Tierlibaum (Kornelkirsche) im Garten pflanzen. Während die Forsythie wie ein Plastikbaum wirkt und für die Insekten nahezu wertlos ist, ist der Tierlibaum eine wichtige Nektarpflanze. Auch viele andere gezüchtete Zierpflanzen haben keine ökologische Funktion mehr und produzieren oft nicht einmal mehr Nektar. Invasive Neophyten wie der Sommerflieder (Buddleja) oder der Kirsch­lorbeer breiten sich unkontrolliert aus. Also, nicht-einheimische durch heimische Pflanzen ersetzen heisst die Devise.

Gleichzeitig gilt es, die Gefahren für verschiedene Tiere zu entschärfen. Glasflächen unbedingt markieren, damit Vögel nicht dagegen fliegen. Schächte und steile Ufer brauchen Ausstiegshilfen für Amphibien. Auf Mähroboter sollte man verzichten, da sie Kleintiere verletzen oder töten. Auf keinen Fall sollten diese Geräte nachts in Betrieb sein. Und damit Igel & Co. durch die Gärten wandern können, benötigen sie Durchschlüpfe im Zaun.

«Ich arbeite in einer kleinen Gemeinde. Die Biodiversität hat bei uns noch wenig Priorität, und mir fehlt das fachliche Wissen. Wie und wo kann ich anfangen?» Thomas Brennwald, Mitarbeiter Gemeindeverwaltung

Die Gemeinde ist ein sehr wichtiger Akteur bezüglich Förderung der Artenvielfalt. Sie besitzt viele Flächen und Immobilien, bei denen sie mit gutem Beispiel vorangehen und diese biodiversitätsfördernd gestalten und pflegen kann. Und mit der Verankerung der Biodiversität in den lokalen Gesetzgebungen kann sie auch Vorgaben für Privatpersonen machen. Holen Sie sich unbedingt eine Fachperson in die Gemeinde, die Sie unterstützt, damit die Biodiversität in alle Bereiche der Gemeinde einfliesst.

SE Herisau
© Peter Federer
Gemeinde Arbeiter PUSCH1
© Pusch
Auf kommunaler Ebene und auf Grünflächen von Institutionen ist für Aufwertungen viel Potenzial vorhanden.


Damit Sie Ihr eigenes Wissen erweitern können, bietet Ihnen der Aufleben-Blog zu den unterschiedlichsten Themen Hintergrund­informationen an. Wenn Sie sich ein Login auf der Seite erstellen, können Sie sich spannende Artikel auch merken und später lesen. Zudem finden Sie auf dem Aufleben-Marktplatz ein tolles Angebot an Vorträgen, Spaziergängen, Kursen und Weiterbildungen, welche die Natur im Fokus haben.

«Wir arbeiten beide viel, und am Wochenende sind wir oft gemeinsam mit Freunden unterwegs und selten zu Hause. Wir wollen wenig Aufwand, aber trotzdem etwas beitragen.» Sarah und Felix Baumann-Grünenfelder

Wir spüren, dass Sie eher keine grüne Wildnis auf Ihrer Terrasse wünschen. Wir schlagen Ihnen daher eine pflege­arme einheimische Bepflanzung mit trockenliebenden Pflanzen vor, welche selten auf Wasser angewiesen sind und doch für viele Insekten Nahrung bieten.

Eine wichtige Massnahme, die manchmal vergessen geht: Biodiversität lässt sich auch finanziell unterstützen. Sie könnten Naturschutz­organisationen Geld spenden und lokale Biodiversitätsprojekte mitfinanzieren. Nur dank Spenden kann zum Beispiel BirdLife Feuchtgebiete aufwerten, Hecken pflanzen oder andere Massnahmen durchführen.

 

Diana Marti ist Projektleiterin Siedlungsraum.

 

Aufleben Logo Claim DE Gross

Die Aufleben-Plattform


BirdLife Schweiz und die Stiftung Pusch haben im Namen des Vereins «Biodiversität.Jetzt!» das grosse Gemeinschaftsprojekt «Aufleben - mit mehr Natur» initiiert. Über 80 Partner/innen tragen das Projekt mit. Gemeinsam wollen wir mehr Natur vor die Haustüren bringen. Alle können ihren Teil dazu beitragen.

Auf www.aufleben-natur.ch finden Sie nebst dem Blog mit unendlich viel Hintergrundwissen unter dem Reiter «Unterstützung» den Trittstein-Designer, den Marktplatz, die Aufleben-Werkstatt und den Handlungskompass

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www.aufleben-natur.ch

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