Schmetterlings-Vielfalt hat im Mittelland um 30 % abgenommen

Eine neue Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalten Agroscope und WSL zeigt eindrücklich, dass bei der Interpretation von Bestandesveränderungen Vorsicht geboten ist.


Eine neue Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalten Agroscope und WSL zeigt eindrücklich, dass bei der Interpretation von Bestandesveränderungen Vorsicht geboten ist. So vermeldeten in letzter Zeit mehrere Medien, die Schmetterlingsvielfalt habe in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Fakt ist aber, dass diese Zunahme gering ist und die früheren Rückgänge keineswegs aufwiegen kann. Konkret haben die Forschenden 1,2 Millionen Datensätze zu Tagfaltern und Totholz­käfern von 1930 bis 2021 analysiert. Es zeigte sich, dass die Vielfalt beider Artengruppen bis in die 1960er-Jahre kontinuierlich zurückging. Danach konnten sich die Totholzkäfer dank extensiverer Forstwirtschaft, Waldreservaten und sich häufenden Sturmereignissen erholen, während sich der Rückgang bei den Schmetterlingen fortsetzte. Seitdem bleibt die Tagfalter-Vielfalt mit Schwankungen etwa auf dem tiefen Niveau der 1980er-Jahre. Etwas ausbreiten konnten sich wärmeliebende Arten aufgrund des Klimawandels. Betrachtet man nur das Mittelland, so sind die Arealverluste der Tagfalter seit den 30er-Jahren mit rund 30 % dramatisch. Ursache ist laut den Forschenden v. a. die Intensivierung der Landwirtschaft. Keine Aussagen macht die Studie zum Rückgang der Insekten-Biomasse: Arten mit sehr wenigen Individuen werden gleich behandelt wie häufige Arten. Wie sich die Biomasse bei den beiden Artengruppen verändert hat, untersuchen die Forschenden derzeit in einer weiteren Studie.

Neff F. et al. in: Nature Ecology & Evolution. doi.org/10.1038/s41559-026-03074-6

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