Eine neue Studie der Vogelwarte Sempach zeigt, dass es zwischen den zu hohen Stickstoffeinträgen und den Brutvogelbeständen einen negativen Zusammenhang gibt. Der Stickstoff gelangt durch Landwirtschaft (65 %), Verkehr (22 %) und Industrie (10 %) in Form von Ammoniak und Stickoxiden in die Luft, wird ausgeregnet und endet am Schluss flächendeckend in den Böden und im Wasser. Der heutige Stickstoffeintrag liegt weit über der kritischen Grenze, die für die Ökosysteme noch tolerierbar wäre.
Bei 55 der 112 untersuchten häufigen Brutvogelarten fanden die Forschenden eine negative Korrelation zu den Stickstoffeinträgen. Konkret bedeutet dies, dass ihre Bestände auf Flächen mit hoher Stickstoffbelastung tiefer waren als auf anderen Flächen. Hätten auch die seltenen Brutvögel untersucht werden können, würde die Zahl wohl noch viel höher ausfallen. Bei 21 Arten war die Korrelation positiv, bei 36 Arten nicht eindeutig.
Besonders negativ von Stickstoff betroffen waren insekten- und samenfressende Arten, Bodenbrüter, Waldvögel und Arten des Siedlungsraums und der Feuchtgebiete. Allesfresser oder Vögel, die sich von Wirbeltieren (z. B. Mäusen) ernähren, waren weniger anfällig. Der Grund für die Ergebnisse ist wohl in der Wirkung des Stickstoffs auf die Vegetation zu suchen. Zu viel Stickstoff verringert die Artenvielfalt der Pflanzen und führt zu einem Mikroklima am Boden, das für viele Kleintiere unvorteilhaft ist. «Überdüngte» Wiesen werden zudem häufiger gemäht als magere Wiesen, was sich ebenfalls negativ auf die Nahrungsverfügbarkeit (Wirbellose, aber auch Samen) auswirkt. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die Stickstoffeinträge zu reduzieren, um eine Vielzahl von Vogel-, aber auch anderen Arten zu schützen.
Meichtry-Stier et al. (2025), Conserv. Biol., doi.org/10.1111/cobi.70114
Zu viel Stickstoff beeinträchtigt auch die Vögel