Wer wird Wiesen-Botschafter?

Vogel des Jahres 2027. Im Oktober wählt die Schweiz den Botschafter für blütenreiche Wiesen. Vier aussergewöhnliche Vögel stehen zur Wahl: Baumpieper, Braunkehlchen, Wachtel und Wachtelkönig. Sie machen sichtbar, wie stark ihr Lebensraum bedroht ist. Und was möglich wird, wenn NGOs wie BirdLife, Politik und Landwirtschaft gemeinsam handeln.


Stellen Sie sich eine Wiese vor, in der es summt und zirpt, in der Tagfalter von Blüte zu Blüte flattern und aus der Vögel singen oder rufen. Blühende Wiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen. Genau dort sind die vier Kandidaten für die Wahl des Vogels des Jahres 2027 zu Hause. Die Stimmen könnten vom Baumpieper, vom Braunkehlchen, von der Wachtel oder vom Wachtelkönig stammen. Alle vier brüten in blütenreichen Wiesen am Boden, jagen Insekten und andere Kleintiere und nutzen das hohe Gras zur Tarnung. Aber nicht nur das haben sie gemeinsam. Alle vier stehen auf der Roten Liste der Brutvögel der Schweiz oder auf der Vorwarnliste. Das heisst, ihre Bestände haben stark abgenommen. Der Wachtelkönig ist sogar vom Aussterben bedroht; es gibt keine 50 Männchen mehr in der Schweiz (siehe auch Ornis 3/26).

Der Grund für das Verschwinden von Braunkehlchen, Baumpieper, Wachtel und Wachtelkönig ist eigentlich simpel und dennoch komplex: Blütenreiche Wiesen werden immer seltener. Wegen Überdüngung blühen weniger verschiedene Blumen und Kräuter, es finden weniger Insekten und Schmetterlinge einen Lebensraum, die Wiesen werden artenarm. Gleichzeitig fördert die Überdüngung ein schnelles Wachstum, sodass die Wiesen früher und häufiger gemäht werden. Für die Wiesenbrüter bleibt damit zu wenig Zeit, um ihre Jungen grosszuziehen. Zahlreiche Nester werden jährlich vermäht, bevor die Jungen schlüpfen.

Dass es so weit kommen konnte, liegt an den Rahmenbedingungen: Agrarpolitik und Markt setzen falsche Anreize für hohe Tierbestände, Futtermittelimporte und Mineraldüngereinsatz, die unsere Wiesen zu ökologischen Wüsten verkommen lassen. Hier braucht es politischen Wandel! Deshalb setzt sich BirdLife Schweiz für diese Lebensräume ein. Wo Naturschutz, Politik und Landwirtschaft gemeinsam anpacken, lässt sich etwas bewegen.

Wählen Sie Ihren Favoriten


Welchem der vier Kandidaten geben Sie Ihre Stimme? Informieren Sie sich auf der Website www.vogeldesjahres.ch über die vier Arten und schreiten Sie zur Wahl. BirdLife Schweiz dankt allen, die mit ihrer Stimme die Wichtigkeit der blühenden Wiesen in den Vordergrund rücken. Je mehr Personen sich an der Wahl beteiligen, desto besser! Weitersagen und für seinen Favoriten die Werbetrommel zu rühren ist ausdrücklich erlaubt. 

Gewählt werden kann noch bis am 31. Oktober 2026. Mit ein wenig Glück gewinnen Sie einen attraktiven Preis (siehe unten). Welcher Vogel das Rennen macht und als «Vogel des Jahres 2027» in die Geschichte eingeht, geben wir Ende November 2026 bekannt.

 

Natascha Bisig ist Projektleiterin Public Fundraising bei BirdLife Schweiz.

 

Vogel Nr. 1: Baumpieper

Baumpieper MK4 118497

© Mathias Schäf

Von einer Baumspitze aus startet der Baumpieper in den Himmel, um dann im langsamen Fallschirmflug zurück zur Sitzwarte zu gleiten. Während dieses Herunterschwebens erfüllt sein leichter, lebendiger Gesang die Luft. Eine Parade, die man so schnell nicht vergisst.

Bäume und Wiesen
Trotz seines Namens lebt und brütet der Baumpieper am Boden. Bäume nutzt er vor allem als Singwarte für seine Auftritte. Sein Nest versteckt er meisterhaft in der Wiese: eine kleine Mulde aus Halmen und feinen Pflanzenfasern, im Bewuchs kaum zu entdecken. Als Bodenjäger spürt er Käfer, Raupen und Heuschrecken auf und pickt sie blitzschnell auf. Seinen Durst löscht er auf spezielle Weise: oft einfach durch Wassertropfen, die an Grashalmen hängen. Der Baumpieper beginnt seine Brut meist im Mai und kann in einem Sommer zwei bis drei Mal brüten.

Gefährdung und Bestand
Der Baumpieper steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste. In der Schweiz brüten noch 50’000 bis 70’000 Paare, der Bestand ist derzeit stabil.

 

Vogel Nr. 2: Braunkehlchen

Braunkehlchen R5 074491

© Mathias Schäf

Das Braunkehlchen sitzt erhöht auf einem Zaunpfahl oder einem trockenen Pflanzenstängel und hält seine blütenreiche Wiese im Blick. Zeigt sich eine Heuschrecke, startet es zum Beutefang. Sein weisser Augenstreif verleiht ihm einen wachen, charakteristischen Blick.

Winziger Vogel, lange Reise
Das Braunkehlchen wiegt nur 15 bis 20 g, legt aber jedes Jahr tausende Kilometer zurück, über die Sahara hinweg und zurück. Jungvögel finden den Weg dank ihres Magnet- und Sternenkompasses ohne Anleitung. Für die Brut braucht das Braunkehlchen viele Hektaren blüten- und insektenreiche Wiesen. Das Nest ist perfekt im Gras getarnt.

Gefährdung und Bestand
Das Braunkehlchen steht in der Schweiz mit nur noch 6000 bis 9000 Paaren auf der Roten Liste. BirdLife Schweiz packt in den Moorlandschaften von Rothenthurm (SZ/ZG) und Breitried (SZ) konkret an, damit es wieder mehr Lebensraum findet.

 

Vogel Nr. 3: Wachtel

Wachtel 1 Ruedi Aeschlimann

© Ruedi Aeschlimann

Einen Blick auf die Wachtel zu erhaschen ist schwierig: Aufgrund ihrer perfekten Tarnung im hohen Gras hört man sie meist nur. Ihr dreisilbiger Ruf «pick per-wick» ist bis zu einem halben Kilometer weit zu hören, klingt aber oft viel näher. Aktiv ist sie vor allem in der Dämmerung.

Doppelte Brutreise
Die Wachtel ist eine erstaunliche Reisende: Nach der Überwinterung in Afrika brütet sie zuerst im südlichen Mittelmeerraum, danach zieht sie nochmals weiter nach Norden – auch in die Schweiz –, wo sie erneut brütet. Ihr Nest ist schlicht: eine Mulde im Boden, etwas Gras. Und wenn ihr nach einem Sandbad zumute ist, wälzt sie sich im feinen Staub. 

Gefährdung und Bestand
Die Wachtel steht auf der Roten Liste (Kategorie «verletzlich»). Nur noch 800 bis 3000 Männchen rufen hierzulande.

 

Vogel Nr. 4: Wachtelkönig

Wachtelkönig Rumänien 2013 0229

© Marcel Burkhardt

Wer einmal das knarrende «Crex-crex» des Wachtelkönigs aus der Wiese gehört hat, vergisst es nicht mehr. Die Männchen rufen manchmal stundenlang, meist nachts. Sie fliegen kaum auf und bewegen sich geschickt durch das hohe Gras, sodass man sie kaum je zu sehen bekommt. Sowohl Männchen als auch Weibchen haben mehrere Partner. 

Ein Förderprojekt mit Erfolg
Den Wachtelkönig zu hören ist heute nicht mehr selbstverständlich. Nur noch 15 bis 40 Männchen rufen in der Schweiz. BirdLife Schweiz fördert die Art deshalb seit 1996 in einem gross angelegten Programm. Der Erfolg ist messbar: Über 200 gesicherte Bruten konnten seit Projektbeginn dokumentiert werden. Vom Projekt profitieren auch viele andere Arten. 

Gefährdung und Bestand
Der Wachtelkönig ist gemäss Roter Liste in der Schweiz vom Aussterben bedroht. Die meisten Vögel brüten heute in den Alpen.

 

Grosse Verlosung


Unter allen Teilnehmenden verlosen wir attraktive Preise:

1. bis 5. Preis: Ein Rucksack von Patagonia im Wert von je ca. Fr. 150.–

6. bis 15. Preis: Eine BamBam! Probierbox im Wert von je Fr. 39.90

16. bis 45. Preis: eine TreeCap oder Treeanie von Nikin im Wert von je Fr. 39.90

46. bis 55. Preis: Ein Halbjahresabo von Ornis im Wert von je Fr. 27.–

Teilnahmebedingungen siehe unter www.vogeldesjahres.ch

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