Seit 10 Jahren ein Erfolg

SVS-Naturschutzzentrum La Sauge. Seit einem Jahrzehnt sensibilisiert das Team des SVS-Naturschutzzentrums La Sauge die Besuchenden für die Schönheiten der Natur und fördert gleichzeitig die Biodiversität im Gebiet am Südufer des Neuenburgersees. Zeit, einen Blick auf die Erfolgsgeschichte zu werfen.


Dicht gedrängt stehen Kinder und Erwachsene in der hölzernen Beobachtungshütte. Schrille Pfiffe ertönen und künden den Vogel an, auf den sie alle warten. Endlich zeigt er sich. Der schillernde Eisvogel fliegt herbei, zuverlässig wie immer. Seit zehn Jahren begleitet er die Entwicklung des SVS-Naturschutzzentrums in La Sauge.

Angefangen hat alles 1934. Damals verliebte sich der Zürcher Grossindustrielle Paul Schnorf, ein Vogelliebhaber, in die Region am Südufer des Neuenburgersees. Er beschloss, 25 Hektaren Land zu kaufen, um die Ufer des Broye-Kanals vor der Immobilienspekulation zu sichern. Die Parzelle lag strategisch sehr günstig, direkt neben den später ausgeschiedenen Naturschutzgebieten Fanel und Chablais de Cudrefin. 

Knapp 40 Jahre später, 1971, ratifizierte die Schweiz die Ramsar-Konvention. Sie hat zum Ziel, die Feuchtgebiete besser zu schützen. Der Bund schied das Gebiet Bas-Lac de Neuchâtel als erstes Ramsar-Gebiet der Schweiz aus. Der Perimeter enthält den Waadtländer Chablais de Cudrefin mit seinen Sandbänken sowie die Bucht des Fanel auf Neuenburger und Berner Gebiet. Auch La Sauge mit seinen Wiesen und Feldern, dem Hof und der 500 Jahre alten Auberge ist im Ramsargebiet enthalten. 

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Das Fanel, Teil des ersten Ramsar-Gebiets der Schweiz. © Jean-Lou Zimmermann


Mit Synergien zum Erfolg


Dass vor zehn Jahren auch ein Naturschutzzentrum in La Sauge hinzu kam, war kein Zufall. Bereits 1999 hatte der SVS/BirdLife Schweiz sein erstes Naturschutzzentrum im Neeracherried ZH eröffnet. Nach dem Vorbild anderer europäischer BirdLife-Partner wurden erstmals in der Schweiz Hütten erbaut, aus denen man die Tiere ohne zu stören aus nächster Nähe beobachten konnte. Diese in England «hide» genannten Verstecke ermöglichen direkte Naturerlebnisse und lösen Begeisterung aus.

Zur gleichen Zeit suchte die Fondation J.P. Schnorf unter dem Präsidium von Max Walter einen Partner, um vor Ort ein Naturschutzzentrum zu errichten und den Hof naturnaher zu bewirtschaften. Die Fondation hatte das Gut von La Sauge bereits seit 1968 verwaltet. Der SVS war sofort am Projekt interessiert. Es ging darum, eine Infrastruktur für Besucher zu entwickeln und gleichzeitig die Biodiversität im Gebiet zu fördern. Der SVS bezog auch die Berner Ala und Nos Oiseaux in die Planung ein, die Gemeinde Cudrefin unterstützte das Vorhaben.

Nach grossen Planungs- und Bauarbeiten unter der Leitung von Patrick Thurston und Werner Müller öffnete im Juni 2001 das SVS-Naturschutzzentrum seine Türen. Das Zentrum ist Teil eines Konzepts, an dem drei Partner mitwirken: die Landwirtschaft mit dem von der Stiftung verpachteten Hof, die ebenfalls verpachtete Auberge mit Restaurant- und Hotelbetrieb und das Naturschutzzentrum des SVS. Dies ermöglicht inte­ressante Synergien. Im Naturschutzzentrum enstand zur gleichen Zeit die SVS-Geschäftsstelle für die Westschweiz.

Eine Besonderheit des Naturschutzzentrums La Sauge besteht darin, dass der SVS die meisten Ökosysteme von Grund auf neu erstellte. Flora und Fauna «antworteten» rasch und eroberten dieses Mosaik an unterschiedlichen Lebensräumen. Anführer war der Eisvogel: Die Baumaschinen hatten eben erst das Gelände verlassen, da fing der Eisvogel schon an, seine Bruthöhle in die vom SVS neu erstellte Wand zu bauen. Diese Prioritätsart ist zum eigentlichen Symbol für den Erfolg des Naturschutzzentrums geworden (siehe Kasten unten).

Auch die Amphibien trafen sehr schnell in den neu erstellten Wasserflächen ein. Laubfrosch und Kreuzkröte besiedelten die Weiher mit Sandböden, die Teichfroschbestände entwickelten sich rasant. Die Anwesenheit der Amphibien zog wiederum Prädatoren an: Ringelnatter, Graureiher, Seidenreiher und Limikolen brachten Leben an die Ufer der Weiher. Am genauesten wird die Vogelwelt beobachtet. Jedes Jahr kommen neue Entdeckungen hinzu, die Anzahl der beobachteten Arten liegt aktuell bei 185. Unter den seltenen Arten, die in La Sauge gesichtet wurden, sind Sichler, Graubruststrandläufer, Eisente und Löffler.

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Ringelnatter © Carl'Antonio Balzari
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Teichfrosch © Carl'Antonio Balzari
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Haselmaus © Jean-Lou Zimmermann
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Mönchsgrasmücke © Carl'Antonio Balzari
Viele Tierarten fühlen sich in den Lebensräumen von La Sauge wohl.


Auch für Insekten bietet La Sauge viele geeignete Habitate. Aufnahmen, die während zwei Jahren durchgeführt wurden, haben ergeben, dass 30 Libellenarten vorkommen, unter denen sich auch die eine oder andere Rarität befindet. Die Flora ist ebenfalls sehr vielfältig. Alleine auf der Ruderalfläche wachsen rund 60 Pflanzenarten.

Natur mit allen Sinnen erleben


Neben dem Ziel, die Biodiversität zu fördern, verfolgt das SVS-Naturschutzzentrum eine weitere wichtige Aufgabe: die Bevölkerung für den Wert und den Schutz der Biodiversität zu sensibilisieren. Dazu bietet das Zentrum einen Erlebnispfad und drei Beobachtungshütten, zeigt Sonderausstellungen und Filme, macht Führungen und leitet Entdeckungsaktivitäten. Das Angebot richtet sich neben Schulen auch an Seniorengruppen, Familien, Firmen und Vereine wie etwa die SVS-Sektionen. Acht Module stehen zur Verfügung, um die unterschiedlichen Aspekte der Biodiversität kennen zu lernen. Die Animationen basieren auf dem Prinzip der aktiven Pädagogik und bieten viele Beobachtungs­möglichkeiten, bei denen alle Sinne mit einbezogen werden.

Anfangs wurde ein kleines Team von Mitarbeitenden angestellt, um das Zentrum und die Geschäftsstelle der Westschweiz zu leiten. Heute zählt es vier Personen. Der Zentrumsleiter François Turrian wird unterstützt von Carl‘Antonio Balzari, stellvertretender Leiter. Beide waren von Anfang an dabei. Sandrine Seidel, Direktionsassistentin, und Mélanie Tissot, verantwortlich für die Werbung und das Sekretariat, ergänzen das Team. Ebenfalls am Erfolg von La Sauge beteiligt waren Christophe Le Nédic und Zoé Portier-Fleury.

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Der Leiter des SVS-Naturschutzzentrums La Sauge, François Turrian, führt Kindern eine Ringelnatter vor. © SVS


Neben den Festangestellten spielen die Praktikantinnen und Praktikanten und Zivildienstleistenden eine wichtige Rolle, damit alles funktioniert. Sie werden entsprechend ausgebildet für die Arbeit mit den Besuchenden, für den technischen Unterhalt und bei der Mithilfe beim Beobachten.

Der SVS: ein starker Partner


Der SVS will auch in Zukunft ein wichtiger Partner sein, wenn es darum geht, die Bevölkerung über die natürlichen Feuchtgebiete zu informieren und sie für deren Schutz zu motivieren. Aus diesem Grund ist der SVS der neu gegründeten Association de la Grande Cariçaie beigetreten. Sie ist verantwortlich für die Erhaltung und das Management der Naturschutzgebiete an der Südseite des Neuenburgersees. Die Kantone Bern und Neuenburg sollten demnächst auch dem Verbund beitreten, was einen koordinierten Unterhalt sämtlicher Schutzgebiete zwischen Yverdon und dem Fanel ermöglichen wird. 

Lasauge Flugaufnahme SVS

Das Gut La Sauge mit dem SVS-Naturschutzzentrum, dem Hof und der Auberge (rechte untere Bildecke). © SVS


Beim umfassenden Schutz der einmaligen Sumpfgebiete am Südufer des Neuenburgersees kommt dem SVS-Naturschutzzentrum La Sauge, zusammen mit dem Pro Natura Zentrum Champ-Pittet bei Yverdon, eine grosse Bedeutung zu. In La Sauge kann der SVS/BirdLife Schweiz Methoden der Besucherinformation entwickeln und anwenden, die in den letzten zehn Jahren in die Region und darüber hinaus ausgestrahlt haben. So geht die 2002 eingeführte Besucherlenkung am Fanel auf die Arbeiten in La Sauge zurück. In mehreren Naturschutzgebieten der Schweiz entstehen die im Neeracherried und in La Sauge eingeführten Beobachtungshütten, und die Zahl der Naturschutzzentren, die im neuen, vom SVS mitgegründeten Netzwerk der Naturzentren zusammen­geschlossen sind, wächst stetig.

Sauge Centre

Über 150 000 Besucherinnen und Besucher waren schon im SVS-Naturschutzzentrum La Sauge. © SVS


Allen, die zu diesem Erfolg in La Sauge und weit darüber hinaus beigetragen haben, sei ganz herzlich gedankt.

 

François Turrian ist Biologe. 2001 kam er zum SVS/BirdLife Schweiz, um die Leitung des Naturschutzzentrums La Sauge und die Geschäftsstelle für die Westschweiz zu übernehmen. Zuvor war er beim WWF Schweiz im Bereich Umweltbildung, Projektarbeit und in der Direktion tätig. 

Originaltext französisch; Übersetzung: Dr. Eva Inderwildi.

 

Das SVS-Naturschutzzentrum La Sauge in  Zahlen 2001 bis 2010


■    150 000 Besucher
■    2300 Gruppen
■    1500 Schulklassen
■    10 Ausstellungen
■    8 Animationsmodule, die jedes Jahr durchgeführt werden
■    100 Exkursionen/Führungen
■    4 Festangestellte (Teilzeit)
■    80 ausgebildete Praktikantinnen, Praktikanten und Zivildienstleistende
■    20 bis 30 Ehrenamtliche
■    200 regelmässige Privatspender
■    185 beobachtete Vogelarten
■    28 Eisvogelbruten, die mindestens 108 flügge Jungvögel ergeben haben
■    Entstehung einer Laubfroschpopulation mit bis zu 72 rufenden Männchen

Meilensteine

2000 Durchführung der Bauarbeiten auf dem Gut La Sauge: Renovierung der Auberge, Bau des Hotels und des Naturschutzzentrums, Bau eines Unterstands für die Hochlandrinder, landwirtschaftlicher Betrieb wird auf Biolandbau umgestellt, Erstellung der Weiher und der anderen natürlichen Habitate 

2001 Anstellung des Leiters und des stellvertretenden Leiters (April), Einweihung des neuen Guts und der SVS-Geschäftsstelle Romandie (Juni)

2002 Expo02

2006 Einrichtung eines neuen Gruppenraums

2009 Vier aufeinander folgende Bruten des Eisvogels. Ein Rekord!

2010 Am Tag der Artenvielfalt identifizieren 25 Spezialistinnen und Spezialisten über 900 Arten in La Sauge. 

2011 Neugestaltung der Wasserflächen für Laubfrösche

2011 Jubiläumsfeier 20. August

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