Um ihn kommt man nicht herum: Der Eisvogel ist der Star des BirdLife-Naturzentrums La Sauge. Seit 25 Jahren brütet er erfolgreich in der extra für ihn gebauten Brutwand. Insgesamt 258 junge Eisvögel wurden in dieser Zeit flügge – nicht weniger als rund zehn Eisvögel pro Jahr, die vor den Augen unzähliger Naturfreunde ausflogen und auch die ersten Lebenswochen überlebten. Es gibt – abgesehen vom BirdLife-Naturzentrum Klingnauer Stausee – wohl kaum einen anderen Ort in der Schweiz, an dem das Leben des «Vogels des Jahres 2026» besser beobachtet werden kann. Besonders spannend ist es, wenn die Jungvögel gefüttert werden oder zum ersten Mal ins Wasser tauchen. Manchmal kommt es aber auch zu Dramen: So erbeutete ein Graureiher 2022 direkt vor dem Hide einen von zwei Eisvögeln, die sich heftig um den Brutplatz stritten.
Im BirdLife-Naturzentrum La Sauge gibt es neben den Eisvögeln aber noch viel mehr zu entdecken: seltene Vögel an den beiden Teichen, spannende Amphibien und Reptilien entlang der Naturpfade, eine attraktive Ausstellung, Filmvorführungen, Ausflüge in die angrenzende Grande Cariçaie und vieles mehr. Dieses Jahr jährt sich die Eröffnung des Naturzentrums zum 25. Mal.
Der Eisvogel ist ganzjährig anwesend; andere Arten wie der Nachtreiher (Bild) zu den Zugzeiten und im Sommer. © BirdLife; Beat Rüegger
Neuerungen im Jubiläumsjahr
Das BirdLife-Naturzentrum hat im Jubiläumsjahr 2026 einiges vor:
- Während des ganzen Jahres ist eine Fülle spannender Exkursionen geplant, und am 21. Juni steigt ein grosses Jubiläumsfest.
- Im Naturzentrum läuft die neue Sonderausstellung «Kleinsäugern auf der Spur» mit der Haselmaus als wichtigster Protagonistin. Die Besucher/innen schlüpfen in die Haut einer Haselmaus und lernen so deren Lebensweise kennen. Sie erhalten viele Tipps zur Förderung der Artenvielfalt und des Lebensraums von Kleinsäugern.
- Die «Early-Birds-Türe» gibt es weiterhin: Von Mittwoch bis Sonntag besteht nach entsprechender Anmeldung die Möglichkeit, das BirdLife-Naturzentrum schon vor den offiziellen Öffnungszeiten zu besuchen und die frühmorgendliche Stimmung zu geniessen.
- Bei den Beobachtungshütten gibt es ebenfalls Neuerungen, und an einem der Teiche werden neue attraktive Informationen und Beobachtungstipps angebracht.
- Auch für den Eisvogel unternimmt BirdLife Schweiz etwas: Die inzwischen 26-jährige Brutwand wird renoviert.
- Die Kinder von zwei Schulklassen aus der Region werden an mehreren Anlässen zu «Biodiversitäts-Botschafter/innen» ausgebildet. Sie werden am Jubiläumsfest im Einsatz sein und den Besuchenden die Tiere und Pflanzen von La Sauge näherbringen.
- Auch für andere Schulklassen gibt es neue Angebote rund um die Biodiversität und deren Förderung (siehe Seite 39).
Die Sonderausstellung im BirdLife-Naturzentrum bringt dem Publikum auf interaktive Weise spannende Themen näher. © BirdLife
Renaturierung des Guts La Sauge
Die Geschichte des BirdLife-Naturzentrums La Sauge ist eng mit der Ella & J. Paul Schnorf Stiftung verbunden: Paul Schnorf, Unternehmer und Vogelkundler, hatte das Land 1934 gekauft. Im Sommer 1998 erfuhr der damalige Geschäftsführer von BirdLife Schweiz, Werner Müller, dass die Stiftung für den Standort La Sauge grosse Pläne hatte. Zusammen mit der Stiftung entwickelte BirdLife Schweiz in der Folge das Drei-Säulen-Konzept mit der sanierten Auberge, dem Naturzentrum mit den Naturpfaden und dem Bio-Bauernhof.
Seither lenkt BirdLife auf einem Teil des Guts von La Sauge die Geschicke in Absprache mit der Stiftung: 2000/2001 baute BirdLife Schweiz den grossen und den kleinen Teich mit der Eisvogel-Brutwand sowie den Lehrteich direkt am Naturpfad. Die ganze Fläche, die zuvor aus einem Maisacker und einer Schafweide bestand, wurde dabei renaturiert. Am 8. Juni 2001 konnte das BirdLife-Naturzentrum La Sauge mit Ausstellungsraum, Kino und Büros feierlich eröffnet werden. Schon zehn Tage nach der Eröffnung konnte der neue Zentrumsleiter François Turrian berichten, dass die ersten Eisvögel ausflogen. Er hat das Zentrum zusammen mit seinem Team mit Leben gefüllt und zum Erfolg gebracht.
Das BirdLife-Naturzentrum liegt ganz in der Nähe des international bedeutenden Wasser- und Zugvogelreservats Fanel/Chablais de Cudrefin. Sehr erfreulich war, dass BirdLife mit seinen Mitgliedorganisationen Berner Ala und Berner Vogelschutz (heute BirdLife Bern) sowie mit Nos Oiseaux mithelfen konnte, dass das Schutzgebiet Fanel entscheidend aufgewertet wurde: Der Weg quer durch das Reservat wurde gesperrt; gleichzeitig wurde auf dem «Gemshoger» eine attraktive Beobachtungsmöglichkeit geschaffen. Schon ein Jahr nach den Arbeiten brütete neu der Purpurreiher im Schutzgebiet.
Am kleinen Teich im Gelände des BirdLife-Naturzentrums lebt eine Biberfamilie. Auch eine Wildkatze wurde mehrfach gesichtet. © BirdLife
Spannende Beobachtungen gab es in den letzten Jahren aber auch auf dem Gelände des BirdLife-Naturzentrums La Sauge selbst: Nebst dem Eisvogel sind dort regelmässig brütende Zwergtaucher oder auch Grosse Brachvögel und andere Limikolen zu entdecken. Einmal wählten über 300 Kampfläufer den Teich beim Naturzentrum für ihre Rast aus, und im Jahr 2008 konnte sogar die seltene Eisente aus den Hides bestaunt werden. Nicht weniger als 31 Libellenarten nutzten die Gewässer von La Sauge in den letzten 25 Jahren, die Laubfrösche lassen alljährlich ihr lautes Konzert ertönen, am Eisvogel-Teich lebt eine Biberfamilie, und bei der «Ferme» brütet die Schleiereule, deren Brut per Kamera im BirdLife-Naturzentrum verfolgt werden kann. Auf dem Gelände konnten beinahe alle Marderartigen der Schweiz vom Mauswiesel bis zum Iltis nachgewiesen werden. Ein besonderes Highlight sind auch die Beobachtungen der heimlichen Wildkatze. Ein Besucher konnte diese 2025 sogar beim Schwimmen durch den nahen Broye-Kanal fotografieren – am heiterhellen Tag.
Der Bundesrat in La Sauge
Selbstverständlich führt das Team des BirdLife-Naturzentrums auch Führungen für Gruppen aller Art durch. Seit der Eröffnung besuchten rund 4000 Gruppen das Naturzentrum, darunter die Hälfte Schulklassen. Die wohl speziellste Gruppe war der Bundesrat, der das Naturzentrum im Sommer 2018 auf seinem «Schulreisli» beehrte. Doch auch Fachleute aus Bulgarien oder gar Kasachstan besichtigten das BirdLife-Naturzentrum bereits.
Immer wieder bringen Schulkinder ihre Eltern nach La Sauge mit, um ihnen Vögel oder andere Tiere zu zeigen, die sie im Rahmen einer Exkursion mit ihrer Klasse beobachten konnten. Für die heutige Zentrumsleiterin Delphine Peter-Devenoges gibt es kein grösseres Kompliment. Das Team mit Carl’Antonio Balzari, dem stellvertretenden Zentrumsleiter seit der Eröffnung, und Melisa Kaymaz, der Projektleiterin Naturbildung, entwickelt für Kinder und Schulen regelmässig tolle Aktivitäten: Natur-Sommerlager, Schulbesuche zum Thema Biodiversität (siehe Kasten) und Weiterbildungen für Lehrpersonen. Jährlich holen sich im BirdLife-Naturzentrum mehrere Praktikant/innen und Zivildienstleistende ihr Rüstzeug für den Einstieg in die Berufswelt – seit der Eröffnung waren es über 160. Unterstützt wird das Team von mehreren ehrenamtlichen Mitarbeitenden.
BirdLife Schweiz freut sich über viele Besuche im Jubiläumsjahr. Der Besuch von La Sauge lässt sich gut mit einem feinen Essen und einer Übernachtung im benachbarten Restaurant und Hotel verbinden. Marcos Rodriguez und sein Team, mit dem BirdLife eng zusammenarbeitet, freuen sich, Ihr Gastgeber zu sein. Auf dem Naturzentrumsgelände gibt es in der Sommersaison immer etwas zu entdecken: eine Fülle blühender Pflanzen, gut versteckte Insekten und natürlich den Eisvogel. Saisonstart ist am 8. März.
Stefan Heller ist Leiter der Abteilung Naturzentren bei BirdLife Schweiz und Leiter des BirdLife-Naturzentrums Neeracherried.
Vielen Dank!
BirdLife Schweiz dankt allen Partnern, die das BirdLife-Naturzentrum La Sauge seit der Eröffnung vor 25 Jahren unterstützt haben, speziell der Ella & J. Paul Schnorf Stiftung, der Standortgemeinde Cudrefin (VD) und der Nachbargemeinde Ins, dem Standortkanton Waadt und den Nachbarkantonen Bern, Freiburg und Neuenburg, dem Bundesamt für Umwelt, der Association de la Grande Cariçaie und BirdLife Bern, zudem der Loterie Romande, der Fondation Payot, der Fondation Philanthropique Famille Sandoz und der Fondation du Domaine de la Villette. Ein grosser Dank gebührt auch allen weiteren Stiftungen, Vereinen, Institutionen und privaten Unterstützenden.
Erleben, lernen, begeistern