Pestizide gelangen über verschiedene Wege in die Bäche und Flüsse und gefährden Gewässerorganismen und Trinkwasserqualität. Drei Studien haben nun die Pestizidbelastung von fünf Schweizer Fliessgewässern (Surb AG, Petite Glâne FR, Ron LU, Halbach SH, Scairolo TI) unter die Lupe genommen. In einem umfassenden Screening haben dabei Forschende der Eawag, der VSA-Plattform Wasserqualität und dem Oekotoxzentrum in den untersuchten Bächen und Flüssen 135 Pestizide nachgewiesen. 23 davon überschritten die sogenannten ökotoxikologischen Qualitätskriterien teilweise über mehrere Wochen. Das heisst, sie stellten ein Risiko für Fische, Insektenlarven und andere Gewässerorganismen dar. Für das Risiko hauptsächlich verantwortlich waren Insektizide, welche die Qualitätskriterien teils um mehr als das Zehnfache überschritten. Von diesen 23 Pestiziden sind bislang erst sechs mit risikobasierten Grenzwerten in der Gewässerschutzverordnung verankert. Die drei Studien zeigen somit auf, dass nicht einmal für alle Substanzen Grenzwerte existieren, die ein Gewässerrisiko darstellen.
Der Weg der Pestizide
Weiter konnten die Forschenden die genaue Herkunft der Substanzen bestimmen. Herbizide, also Unkrautvernichter, gelangen vor allem über Regenwasser von den Feldern in die Gewässer. Die kritischen Insektizide wurden hingegen sowohl diffus als auch über Abwasserreinigungsanlagen in die Bäche und Flüsse eingetragen. Diese Stoffe werden als Pflanzenschutzmittel, aber auch als Biozide im Aussenbereich oder im Stall sowie als Tierarzneimittel eingesetzt. Dabei stach besonders die Zahl der Überschreitungen durch Fipronil hervor. Das extrem giftige Insektizid kommt als Zecken- und Flohmittel bei Katzen und Hunden zum Einsatz. Der Wirkstoff kann an Händen, Tierhaaren und Textilien haften und beim Waschen in die Abwasserreinigungsanlage und die Gewässer gelangen. Zecken- und Flohmittel wie Fipronil stellen nicht nur für Lebewesen in Gewässern, sondern auch für Vögel und ihren Nachwuchs eine erhebliche Gefahr dar, da diese ihre Nester mit Tierhaaren polstern (siehe Ornis 2/25). Bis jetzt ist für solche Stoffe keine Umweltrisikobewertung vorgeschrieben.
Schorr et al. (2025); Barth & Doppler (2025); Barth et al. (2025) in: Aqua & Gas
135 Pestizide in Schweizer Bächen und Flüssen