Ökologische Aufwertung Schönthal BL. Auf dem Areal des ehemaligen Klosters Schönthal bei Langenbruck BL
werden in den nächsten Jahren auf 100 Hektaren umfassende landschaftliche und ökologische Aufwertungen
stattfinden. Eigentümer, Bewirtschafter, Natur- und Landschaftsschützer ziehen dabei an einem Strang. Zu verdanken ist dies der Stiftung «Sculpture at Schoenthal», die sich nicht nur für Kunst und Kultur, sondern auch für die Natur und Landschaft einsetzt. BirdLife Schweiz engagiert sich in der Fachkommission und realisiert selbst ein Teilprojekt zur Schaffung eines lichten Waldes mit wertvollen Übergangsbereichen zum anliegenden Kulturland.
Unweit von Langenbruck liegt das Schönthal, idyllisch eingebettet in eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit monumentalen Charakterbäumen, Wiesen und bewaldeten Hügelkuppen mit schroffen Felsvorsprüngen. An diesem Ort im Baselbieter Jura ist die Welt noch in Ordnung. Der Gesang des Baumpiepers klingt durch das Tal, die extensiven Wiesen und Weiden vibrieren förmlich vor Heuschrecken, Schmetterlingen und unzähligen weiteren Insekten. Die Rinder auf der Weide fühlen sich im Schatten einer alten Föhre sichtlich wohl.
Vor Ort, im ehemaligen Kloster Schönthal, befindet sich das Schaffenszentrum der Stiftung «Sculpture at Schoenthal». Die Stiftung setzt sich für die Förderung der Kultur auf dem Areal rund um das ehemalige Kloster ein. Dank ihr finden Ausstellungen, Lesungen und weitere Aktivitäten statt, der Ort hat sich zu einer kulturellen Austauschstätte gemausert.
Doch auch der Natur und der Landschaft fühlt sich die Stiftung verpflichtet. Dafür wurde eine Fachkommission ins Leben gerufen, in welcher Experten aus Landwirtschaft, Landschafts- und Naturschutz wie auch lokale Bewirtschafter und die Gemeinde Einsitz haben. Gemeinsam diskutierten die Mitglieder Möglichkeiten, das Land rund um das ehemalige Kloster aufzuwerten. 2016 legten sie ein Konzept für jene 100 Hektaren vor, die im Besitz der Stiftung sind. Auch BirdLife Schweiz hat einen Sitz in der Kommission und war am Prozess beteiligt.
Aufwertungen auf grosser Fläche
Dass Eigentümer, Bewirtschafter, Natur- und Landschaftsschützer auf derart grosser Fläche an einem Strang ziehen, ist selten. Es besteht nun die Chance zu zeigen, was alles möglich ist, wenn man eine gemeinsame Vision verfolgt.
Als Basis für die ökologischen Aufwertungen erhoben Fachleute des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) und von BirdLife Schweiz 2016 und 2017 die Bestände verschiedener Artengruppen. Die Erhebungen umfassten die Kartierung von Brutvögeln, Wildbienen, Tagfaltern und Pflanzen. Zusätzlich wurden Informationen über Pilze, Flechten und jagdbare Wildtiere eingeholt.
Die Ergebnisse zeigen: Das Gebiet beherbergt schon jetzt seltene Tier- und Pflanzenarten. So leben hier Hohltauben, Baumpieper und Berglaubsänger sowie einzelne Gartenrotschwänze, Neuntöter und Grauspechte. Unter den Pflanzen sind etwa die Vorkommen von Holzbirne, Waldvögelein oder Jura-Bärenklau erwähnenswert, und ganz in der Nähe wächst der Frauenschuh. Bei den Schmetterlingen konnten seltene Arten wie Hainveilchen-Perlmutterfalter, Weisser Waldportier, Westlicher Scheckenfalter, Ampfer-Grünwidderchen und Argus-Bläuling nachgewiesen werden. Das Potenzial ist da – durch eine weitere Aufwertung der Lebensräume kann sich im Schönthal ein eindrucksvoller Naturraum entwickeln.
Das Projekt zeigt, dass Produktion und Natur in Einklang miteinander möglich sind.
2017 wurde mit der Umsetzung des Konzepts begonnen. Erste Veränderungen sind im Schönthal bereits sichtbar. Der an das ehemalige Kloster angegliederte Landwirtschaftsbetrieb, die Hofgut Schönthal GmbH, wurde inzwischen auf biodynamischen Demeter-Landbau umgestellt. Im Vordergrund standen die Reduktion des Tierbestandes, der Umbau des Rinderstalles, die Umstellung auf insektenschonende Mähtechniken und die Wiedereinführung von Ackerbau im kleinen Stil.
Zudem fanden bereits erste Aufwertungen statt. So wurden der Schönthalweiher und sein Zufluss unter der Leitung von Pro Natura Baselland entschlammt und ausgedohlt, bestehende Trockensteinmauern wurden restauriert sowie neue angelegt, und es wurden Einzelbäume gepflanzt.
Ein wichtiges Element ist die Schaffung eines lichten Waldstandortes: Unter der Leitung von BirdLife Schweiz soll in den nächsten Jahren ein Lebensraum mit wertvollen Übergangsbereichen zwischen Wald und angrenzendem Kulturland entstehen. Die Vision dieses Lebensraums grenzt sich klar von den sonst üblichen Waldrandaufwertungen ab. Diese besitzen zwar einen Mehrwert für die Natur – doch die neu entstandenen Lebensräume reichen in der Regel nicht aus, um die zahlreichen Arten zurückzubringen, die unter den historischen Waldnutzungsformen häufig waren, inzwischen aber gefährdet sind.
Im Schönthal wird ausgehend von einem bestehenden Hochwald ein lichter Waldstandort mit grosskronigen Einzelbäumen entstehen. Im Übergangsbereich zur extensiv genutzten Weidefläche werden dornige Sträucher wachsen, die zum Beispiel dem Neuntöter zugute kommen. Weil die Ränder zwischen Wald und Weide nicht geradlinig, sondern kurvenförmig verlaufen, verschmelzen die Grenzen zwischen Wald und Kulturland.
Die Rahmenbedingungen für die Realisierung des Projektes sind sehr gut: Einerseits ist das Potenzial auf der Fläche für die Natur vielversprechend, andererseits stehen Landeigentümer und Bewirtschafter mit grosser Überzeugung hinter den geplanten Aktivitäten. Die Massnahmen zur Auflichtung der Waldflächen wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Forstrevier Oberer Hauenstein entwickelt. Verantwortlich für die Umsetzung der Arbeiten sind das Personal des Forstreviers und ein lokaler Unternehmer. «Wir sind sehr gespannt auf die Entwicklungen und freuen uns, einen Beitrag bei der Erstellung der wertvollen Waldstandorte zu leisten,» sagt der zuständige Revierförster, Simon Czendlik. «Für uns muss am Ende aber auch das Betriebsergebnis stimmen.»
Holzen für die Natur
Im Winter 2017/2018 wurde intensiv geholzt – denn um einen lichten Waldstandort zu schaffen, musste ein Grossteil des Baumbestandes gefällt werden. Was auf den ersten Blick wie eine Zerstörung des Waldes wirken mag, wird bei genauerem Hinsehen zur Chance für einen seltenen Lebensraum mit seinen angestammten Tier- und Pflanzenarten.
Um die lichten Waldstandorte langfristig zu erhalten, entwickelten die Zuständigen ein Nutzungs- und Pflegekonzept im Einklang mit der Bewirtschaftung. Um die aufkommende Vegetation im Zaum zu halten und die lichten Waldstandorte kostengünstig und im Rahmen einer sinnvollen Nutzung zu erhalten, richtet der Bewirtschafter eine Waldweide mit Ziegen ein.
Die Beweidung findet nur im Rahmen einer zeitigen Früh- und einer Spätweide statt, die ein erfolgreiches Versamen der Pflanzen gewährleisten sollen. In der restlichen Zeit werden die Zäune offen stehen, sodass die Waldstandorte auch von Wildtieren wie Gämsen genutzt werden können.
Für die Einrichtung der Waldweide war eine Genehmigung durch das Amt für Wald beider Basel nötig. Da aufgezeigt werden konnte, dass ein Expertenteam das Projekt eng begleitet und dass zahlreiche Massnahmen zum Schutz des verbleibenden Baumbestands getroffen wurden, erteilte das Amt erfreulicherweise die Bewilligung für fünf Jahre.
Der lokale Biolandwirt Jonathan Dennert freut sich: «Ich engagiere mich gerne für die Natur auf meinem Betrieb, in dem die Produktion von Lebensmitteln im Vordergrund steht. Das Projekt zeigt, dass Produktion und Natur im Einklang miteinander möglich sind.»
Martin Schuck arbeitet als Projektleiter Artenförderung bei BirdLife Schweiz. Er ist Mitglied der Fachkommission, welche die Stiftung «Sculpture at Schoenthal» berät, und entwickelt und begleitet das Biodiversitätsprojekt in der Klus im Baselbieter Jura.
Ganz herzlichen Dank!
Das Engagement verschiedener Stiftungen ermöglichte die Realisierung des Projekts:
Fonds Landschaft Schweiz, Swisslos-Fonds, Binding Stiftung, Dr. Bertold Suhner-Stiftung, Ella & J. Paul Schnorf Stiftung, Walder Bachmann Stiftung, Singenberg-Stiftung, Stiftung Dreiklang
An der Entwicklung und Begleitung des Projektes waren folgende Partner beteiligt:
Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, BirdLife Schweiz, Pro Natura Baselland, Basellandschaftlicher Natur- und Vogelschutzverband BNV, Amt für Wald beider Basel, Landwirtschaftliches Zentrum Ebenrain, Forstrevier Oberer Hauenstein, Hofgut Schönthal GmbH, Gemeinde Langenbruck
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100 Hektaren, eine Vision